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Die Sammlung Kurt Tauber Foto-Sisyphus Die etwas ausführliche Begründung, warum ich das tun muss, was ich tue... |
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Von Zeit zu Zeit, wenn der Rücken vor lauter Arbeit am PC schmerzt und draußen am Wochenende gar zu schönes Wetter ist, wenn die Dame des Hauses mal wieder ohne viel Hoffnung auf Erfolg zum Spaziergehen drängt und wenn alle paar Tage mal ein stattlicher junger Mann, den du irgend woher kennst, dein Arbeitszimmer betritt und behauptet, er sei dein Sohn und brauche ein paar Euro Taschengeld, dann steht sie wieder mitten im Raum, diese Frage: "Warum machst du das eigentlich alles? Und für wen?"
Das muss reichen!
Als ich so 18, 19 Jahre alt war, da kam meine Mutter einmal in mein Zimmer, blieb vor meinem überquellenden Bücherschrank stehen, stemmte beide Fäuste in die Hüften und stellte fest: "So, jetzt muss es langsam reichen. Jetzt brauchst Du aber keine Bücher mehr". Irgendwie fruchteten ihre Erziehungsanstrengungen bei mir aber scheinbar nicht.
Manchmal fürchtete ich selbst, dass sie Recht behalten könnten
Die Kameras auf meiner ganz persönlichen Suchliste hatte ich dank eBay schon längst alle beisammen. Warum also weiter machen? Warum Geräte zusammenraffen, fotografieren, identifizieren, katalogisieren, zu denen ich keinerlei persönliche Beziehungen hatte oder habe? Warum das, was andere wegwerfen wollen, in einem "Kameraaltenheim" horten? "Nichts als Staubfänger" wie die beste aller Ehefrauen zu sagen pflegte, um mich zu ärgern: "Tote Gegenstände", "Wohlstandsmüll". Wie Frauen halt so daherreden.
Die Spielzeuge der Männer
Vielleicht mache ich das alles auch, weil ich mir nach einer Art Midlife-Crisis (als Baujahr 1951 steht mir das ja durchaus zu) Kindheitsträume verwirkliche (wie übrigens bei meiner bescheidenen Modelleisenbahn, die wegen der Foto-Sammelleidenschaft leider viel zu kurz kommt)? Weil ich in den Sechzigern und Siebzigern alle halbe Jahr den neuen Foto-Quelle-Katalog mit all den schönen Fotoapparaten verschlungen habe, wohl wissend, dass ich mir nie so ein chromglänzendes Gerät würde leisten können? Was hätte ich schließlich damals mit einer Schmalfilmkamera angefangen, wo das spärliche Taschengeld nie für Filmkassetten gereicht hätte? Vom notwendigen Schneidegerät und dem erforderlichen Projektor ganz zu schweigen.
Heute gehört den wohlfeilen Filmkameras aus Metall meine geheime Liebe - nicht den teuren Leicas oder Nikons (die kosteten mir schon immer zu viel, auch während meiner "aktiven" Zeit). Und heute bekomme ich die Apparate geschenkt, an deren Kauf ich als Gymnasiast nicht mal zu denken wagte... Irgendwie toll - oder?
Übrigens: Der TEE VT 11 in Spur H0 (Bild), in dessen Katalogabbildung ich mich in den Sechziger Jahren unsterblich verliebte, ohne den Zug jemals in Wirklichkeit gesehen zu haben, fährt inzwischen auch auf der Anlage - wenn auch nur die preiswerte Wechselstromversion von Roco und nicht das teure High-Tech-Ding von Märklin. Manche Träume werden eben doch wahr... Okay, okay - das erklärt vielleicht das kindliche "Habenwollen", wie es meine Frau mir dauernd nachsagte. Aber warum dann gleich Geräte in solchen Massen? Warum nicht 20 erlesene Apparate in Bestzustand in der Vitrine statt 5.000 halbwegs schöner Kameras in Kartons?
Technik im Mülleimer
Als "Foto-Sisyphus", als selbst ernannter "Don Quichotte der Kamerahistorie", möchte ich da ganz unbescheiden, aber entschieden gegensteuern, helfen wo es nur geht - so lange es geht. Auch mit Bedienungsanleitungen, an denen ich nichts verdiene, die aber, so meine ich, auch nicht kostenlos sein müssen. Denn sonst zahlt nur der drauf, der helfen will.
Mein Motivator
Dann begegnete ich Dr. Gerhard Binder, Jahrgang 1956, Gründer und Chef des Photomuseums in Zeil am Main, Herr über Tausende Exponate, der seit 1993 seine Schätze in der ehemaligen "Altenpflege- und Kinderbewahranstalt" ausstellt.
Und dieser Kollege, ausgestattet mit einer ähnlich intensiven Sammelleidenschaft und ähnlichen Sammelbiografie, ermunterte mich, bei der Stange zu bleiben. Er tröstete mich, der ich ob meiner vergleichsweise bescheidenen Sammlung schon aufgeben wollte: "Das wird schon, wenn das Museum Konturen annimmt", sagte er, "das geht dann irgendwann wie von selbst. Die Leute bringen Dir die Sachen ins Haus! Schöne Sachen!" Er sollte recht behalten!
Inzwischen bin ich allen Unkenrufen und allen Widrigkeiten zum Trotz am Ziel meiner Träume angelangt: beim Deutschen Kameramuseum in Plech, einer 1300-Einwohner-Gemeinde zwischen Nürnberg und Bayreuth, direkt an der Autobahn A 9. Doch Sisyphus hat damit noch keine Ruhe. Aber jetzt ist es - bildlich gesprochen - nicht immer die gleiche Kugel, die er den Berg hinaufrollen muss. Einige - eine Menge - Kugeln sind schon oben deponiert und es werden täglich mehr. Eigentlich also keine Sisyphus-Arbeit mehr, denn ich muss nicht mehr neu anfangen bei der Suche nach einer Bleibe für meine Schätze. Ich bin am Ziel. Mehr darüber hier.
Die Drohungen mit dem Abfallcontainer haben mir übrigens keine Ruhe gelassen. Und so habe ich zum Sammeln und Bewahren der Exponate für das Deutsche Kameramuseum in Plech im November 2008 die Stiftung Kameramuseum Kurt Tauber gegründet. Jetzt hat der Container keine Chance mehr. Und der Bestand des Deutschen Kameramuseums wächst und gedeiht... |
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Kurzform meiner Beweggründe - Biografisches - Ja kann der Tauber auch fotografieren? |
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