8.
April-31.Mai 2018: Kunstausstellung |
"70
Jahre Polaroid - 70 Polaroid-Fotos":
Freiheit
und Schnelligkeit |
PLECH – Am 2. April 2018 endet die Fotoausstellung „Karneval
in Venedig“ im Deutschen Kameramuseum in Plech und schon
eine Woche später, am Sonntag, 8. April 2018, 11 Uhr, gibt
es die nächste Vernissage. Aus Anlass des Jubiläums „70
Jahre Polaroid“ zeigt das Museum bis 31. Mai 70
Originalfotos, die mit der legendären
Polaroid-Spiegelreflexkamera SX-70 von zwei Fotografen
unterschiedlichen Temperaments und unterschiedlicher
Bildersprache aufgenommen wurden: Museumsleiter Kurt Tauber,
40 Jahre Pressefotograf und seit 1970 Polaroid-Verwender,
und Jens Horst Werlein, Werbefotograf und Hochschullehrer,
öffnen ihre Archive. |
Obwohl beide denselben Apparate-Typ verwendet haben, fallen die
Ergebnisse sehr unterschiedlich aus: Tauber setzte das
Sofortbildmedium anfänglich rein beruflich ein, um die Zeiten
zwischen Fotoereignis und Redaktionsschluss um eine Stunde zu
verkürzen, Werlein schuf sich mit Polaroid künstlerische
Freiräume als Ausgleich zum streng geregelten und geplanten
Alltag als Werbefotograf. Die Ausstellung „70 Jahre Polaroid –
70 Polaroid-Fotos“ bezieht aus diesen unterschiedlichen Ansätzen
ihren besonderen Reiz zusätzlich zu der Verschiedenheit der
Motive.
Der 58-Jährige Fotograf aus Schwäbisch Gmünd stellt seinen
Ausstellungsbeitrag – 35 SX-70-Bilder in einem sehr
konzentrierten geometrischen Rahmen-Tableau – unter die
Überschrift „Die Freiheit des Polaroids für einen seriösen
Werbefotografen und Hochschullehrer“:
„Was
macht den Alltag eines Fotografen und Dozenten für Fotografie
aus? Meist dann doch die Pflichterfüllung, eine saubere Arbeit,
sowohl in der Gestaltung, als auch in der technischen Umsetzung
im Kundensinne zu erstellen. Dies gilt natürlich ebenso für die
Lehraufgabe für und mit Studierenden.
Da ist für eine sogenannte künstlerische Freiheit kein Raum!
Also ab damit in die Freizeit, Freiheit im direkten sofort
umsetzbaren Unikat.
So entstehen komplett andere Bilder als
gewohnt, ohne Netz und doppeltem Boden. Das Risiko des
Nichtgefallens bleibt - aber es ist ja auch nur meine
‚Freibildnerei‘".
Die erste eigenständige Berührung mit dem Medium Polaroid ergab
sich für Werlein 1978 mit dem Erwerb einer gebrauchten SX 70 zu
60 DM und eines Farbfilms mit zehn Bildern zu 15 Mark bei einem
Lehrlingsgehalts von 270 DM.
Der freien Kunst waren demnach noch
Grenzen gesetzt, günstige Ernährung (Kennt jemand noch die
Erbswurst?) war dabei immer hilfreich.
Nach der Ausbildung kamen dann immer mehr an Kameras zusammen
und alles an Filmen in Farbe und Schwarz-Weiß was zu finden war.
Wie viele andere Polaroid-Fotografen hat Werlein viele seiner
spontanen Werke nicht mehr: „Viele Bilder haben damals als
Geschenke ihre Abnehmer gefunden.“ Ein Polaroid-„Lieblingsbild“
hat es für Werlein nie gegeben: „Es ist jeweils immer der
besondere Moment gewesen, der mir in diesem Moment wichtig war.“
Beruflich hat Polaroid immer für den Werbefotografen eine
kleine, sehr pragmatische Rolle gespielt: nämlich ausschließlich
zur Belichtungskontrolle im Studio.
Mehr Foto-Beispiele von Jens Werlein hier...
Der
Plecher Museumsleiter (66), über 40 Jahre Text- und
Bildjournalist in Ingolstadt, Hilpoltstein, Beilngries, Bayreuth
und Pegnitz, besitzt noch das Foto, mit dem seine berufliche und
private Beschäftigung mit Polaroid begann: Sein damaliger Chef
machte 1970 bei Dienstantritt in der Donau-Kurier-Redaktion
Hilpoltstein ein Pola vom Zeitung lesenden Volontär – sogar
schon in Farbe. In vielen kleinen Zeitungsredaktionen auf dem
Lande war es damals üblich, an Sonntagen, wenn das Fotolabor in
der Zentrale nicht oder nur knapp besetzt war, Verkehrsunfälle
wie Vereinsehrungen, Faschingsbälle wie Fußballspiele auf
Polaroid festzuhalten – ungeachtet der vorhersehbaren
qualitativen Schwächen.
Für den jungen Volontär Kurt Tauber war das oft eine zusätzliche
Einnahmequelle: Vor allem bei Faschingsbällen wollten viele
närrischen Besucher zu fortgeschrittener Stunde unbedingt solche
faszinierende Sofortbilder von sich und ihrer Eroberung und
Tauber tat ihnen für fünf DM den Gefallen. Das Bild kostete ihn
etwa zwei Mark. Vom Verlag bekam er vier Mark für ein
veröffentlichtes Bild und die Filmkosten musste er selbst
tragen: damals teure 20 Mark für den Filmpack mit zehn
Aufnahmen. Dazu kamen die Kosten für die Blitzbirnchen.
Taubers erste eigene Sofortbildkamera war wie bei Werlein eine
SX-70, eine faltbare Spiegelreflexkamera für Farbfilme. Damit
fotografierte er – auch – Pressefotos: einen schweren
Verkehrsunfall oder die Gratulationscour für den neuen
Bürgermeister bei Gemeinderatswahlen noch schnell nach
Redaktionsschluss. Denn mit der herkömmlichen analogen
Kleinbildkamera hätte das vom Foto bis zum fertigen Bild etwa
eine Stunde länger gedauert. Zu lange, um noch rechtzeitig ins
Blatt zu kommen.
Hauptsächlich benutzte Tauber seine SX-70 aber wie Werlein
privat: Porträts, Schnappschüsse vom neuen Auto, die Tochter
gleich nach der Geburt im Krankenhaus – all das, was man schnell
der Oma oder Freunden zeigen möchte, ohne tagelang auf das
Filmentwickeln beim Fotografen und die Abzüge warten zu müssen.
Denn die Einstunden-Labore gab es damals noch nicht.
Tauber wollte keine Kunst produzieren oder groß experimentieren,
sondern nutzte das Sofortbildmedium schlicht und einfach für den
Zweck, für den es erfunden war: Fotos innerhalb weniger Minuten
in seinen Händen zu halten.
Mehr Foto-Beispiele
von Kurt Tauber hier...
Diese Ausstellung beschränkt sich
übrigens ausschließlich auf die Präsentation von SX-70-Unikaten.
Andere Fotoformate sowie die Marken (Kodak, Fuji) bleiben
unberücksichtigt.
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